Die Entstehung dieser Internetseite ist eine aus mehreren geführten Gesprächen heraus entstandene Idee, den Kranich-Modellbögen aus der ehemaligen DDR eine andere Repräsentanz im Internet zu geben. Ausgangspunkt für mich war, dass mein Sohn mich im Herbst 2009 mit einem ersteigerten Kranich-Modellbogen “Sowjetischer Überschallbomber” überraschte. Meine anschließenden Recherchen führten mich zum Mitteldeutschen Kartonmodell-Verlag, der Redaktion der Zeitung “Junge Welt”, dem Tessloff-Verlag und dem cfm-Verlag in München. Selbst Hans Räde konnte ich über den “Hanse Sail Verein” in Rostock kontaktieren. Mit dem Kauf des Sonderheftes Teil 1 “DDR in Karton - eine Dokumentation” entwickelte sich die Absicht, im Internet, ähnlich meiner eigenen Homepage, eine Internetseite zum Thema DDR Kranich-Modellbögen zu entwerfen. In Absprache mit meinem Sohn richteten wir auf meiner Homepage eine Rubrik Kranich-Modelle ein.

Mit der Einrichtung der ersten Seiten konnten wir feststellen, dass es eine große Resonanz gab. Sicherlich hat dieser oder jener Modellbaufreund seine eigenen Erfahrungen mit dem Modellbau in der ehemaligen DDR gemacht. Aber wie ich schon auf den Seiten meiner Homepage ausführte, erlebte ich den Kartonmodellbau mit den Kranich-Modellbögen in sehr frühen Jahren (1958/1959). Diese Modellbögen bestimmten nicht nur meine Kinder- und Jugendzeit, sondern begeisterten auch andere Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Anfänglich konzentrierte sich bei mir alles auf die Zeit im Kinderferienlager, bevor ich anfing meine Freizeit mit dem Modellbau auszufüllen. Dieser Grundgedanke - sinnvolle Freizeitgestaltung unter dem Motto “Fröhlich sein und singen” - war eine tragende Säule bei der Entwicklung des Modellbaus in der DDR. Jeder konnte in vielfältiger Form diesem Hobby nachgehen. Da dieser Bereich auch mit staatlich subventionierten Preisen arbeiten konnte, waren die Verkaufspreise von Modellbausätzen für Jedermann erschwinglich. Im Rahmen der gesellschaftlichen Aktivitäten in der Pionierorganisation, der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) spielte der Modellbau innerhalb von Arbeitsgemeinschaften eine nicht geringe Rolle. Viele Betriebe, Schulen und Kulturhäuser waren Träger dieser gesellschaftlichen Aktivitäten.

Ich persönlich erlebte diese Zeit sehr intensiv, prägte sie doch meine eigene Entwicklung als Kind und Jugendlicher. Berufswünsche wie Bauingenieur, Pilot oder Offizier entstanden im Rahmen dieser Freizeitaktivitäten. Ähnlich wird es auch vielen anderen begeisterten Modellbauern ergangen sein. Mit persönlicher Freude und Genugtuung vernahm ich die Bereitschaft und das Interesse anderer Modellbaufreunde, die sich meiner Idee für den Internetauftritt mit dem Thema - DDR Kranich-Modellbogen - anschlossen. Namentlich stehen für die Anfangsphase die Modellbaufreunde Ingolf Hoppe, Roland Krone, Hans-Jürgen Rosenkranz, Reinhard Laukamp und Ulrich Günscht. Komplettiert wurde unsere Runde mit den Modellbaufreunden Wolfgang Constabel, Gerd Berger, Frank Fuhrmann, Bernd Kothera und Michael Golke. Diese Internetseite verfolgt nicht das Ziel ein gesondertes Ostdeutsches Forum zu etablieren, sondern die Einordnung des Kartonmodellbaus mit den Kranich-, Pinguin-, Ausschneide- und Modellbögen im historischen Kontext. Die Seitengestaltung befindet sich immer noch in der Anfangsphase, und Ideen für die weitere Ausgestaltung sind ausreichend vorhanden.

 

Berlin, Oktober 2013             Lothar Schlüter und das Kranichfan-Team

 

 

 

Weiterführende Gedanken zur Geschichte des Kartonmodellbaus in den ehemaligen sozialistischen Ländern

Zu den geschichtlichen Darstellungen über Entwicklung und Produktion des Kartonmodellbaus ist eine Reihe von Publikationen bereits veröffentlicht. Wir wollen an dieser Stelle nichts Neues erfinden, sondern im Rahmen unserer Präsentation von Kranich- und Pinguin-Modellbogen auf einige Aspekte der Entwicklungen und Traditionen verweisen. So begann sich in den fünfziger Jahren gerade in der ehemaligen DDR und in der Volksrepublik Polen der Kartonmodellbau wieder neu zu entwickeln. In der ehemaligen DDR versuchte man über die Redaktion “Fröhlich sein und singen” etwas Neues auf die Beine zu stellen und verzichtete ganz bewusst auf bereits vorhandene Entwicklungen aus der Vorkriegszeit. In der Volksrepublik Polen beschritt man andere aber ähnliche Wege bei der Entwicklung des Kartonmodellbaus. Der noch heute bestehende Verlag “Maly Modelarz” (übersetzt: Kleiner Modellbauer) steht für Kontinuität und qualitativ gute Modellkonstruktionen bei Schiffs-, Panzer- und Flugzeugmodellen. Die Verlagsgründung wird mit dem Jahr 1957 benannt und erfolgte bei der Redaktion der Abteilung Modellbauzeitschriften, die unter der Schirmherrschaft des Verteidigungsministeriums stand. Aus dieser Zeit ist auch das Kürzel “MON” auf den Titeln der herausgegebenen Modellbaubogen bekannt. Das Kürzel “MON” steht für Ministerstwa Obrony Narodowej (Verteidigungsministerium) und war ein eigener Verlag dieses Ministeriums. Hiermit zeichnete das polnische Verteidigungsministerium für diesen Zeitabschnitt verantwortlich für die Herausgabe von Kartonmodellbogen. So wie in der ehemaligen DDR der Verlag “Junge Welt” die redaktionelle Betreuung und Herausgabe der Kartonmodellbogen übernahm, gestaltete sich in Polen ein ähnlicher Weg.

Mit der Gründung der Redaktion der Abteilung Modellbauzeitschriften bei der “Liga Obrony Kraju” (abgekürzt: LOK und übersetzt “Bund zur Landesverteidigung“), entwickelte sich der Kartonmodellbau in Polen, um mit der Gründung des Verlages “Maly Modelarz” eine bis heute andauernde Kontinuität nachzuweisen. Heute stehen weitere Verlage wie GPM, JSC, Halinski, SAGA, Fly-Model und Hobby-Model für den polnischen Kartonmodellbau. Aus den Kranich-Modellbogen und den Modellbogen von Maly Modelarz lassen sich gemeinsame Entwicklungskonzeptionen ableiten wie die Typenauswahl oder Verbesserungen in der Modellkonstruktion durch die Herausgabe von Zweit- oder Drittauflagen. Als Beispiele seien hier bei der Fahrzeugtechnik genannt wie der sowjetische Panzer T-34 oder der Schwimmpanzer PT-76. Bei den Schiffsmodellen sind es der Modellbogen polnisches Passagierschiff Batory, der Panzerkreuzer AURORA und der sowjetische Atomeisbrecher LENIN. Im Bereich der Flugzeugtechnik gab es mit der JAK-23, MIG-15, MIG-17, der AN-12, der TU-114 und der IL-18 eine weit aus größere Auswahl. Die monatlichen Ausgaben der Modellbogen von Maly-Modelarz lagen in der Regel auch über die der Kranich-Modellbogen. Beide erreichten fünfstellige bzw. sechsstellige Zahlen, aber die Kranich-Modellbogen konnten mit dieser Kontinuität wie sie sich bei MM abzeichnete, nicht konkurrieren. Über die Qualität dieser Kartonmodellbausätze ist viel geschrieben worden und es sei an dieser Stelle nur ein Vermerk zur Qualität des Kartons und des Druckes gestattet. Während sich bei den Kranich-Modellbogen die Karton- und Druckqualität permanent verbesserte, gestaltete sich die Kartonqualität bei den Modellbogen von Maly-Modelarz bis weit in die 1990er Jahre als schlecht bis teilweise unbrauchbar, wenn wir heutige Maßstäbe anlegen. Ich habe zwei Modellkonstruktionen von MM gebaut. Es sind dies die JAK-23 und die Lim-5. Beide Bausätze sind mit dieser Kartonqualität versehen und zeigen mir aber eins. Es ist ein Vorteil gegenüber anderen Drucken, da sie kaum Alterungsspuren wie das Vergilben des Kartons aufweisen.

In der CSSR, Ungarn, Bulgarien und der UdSSR entwickelten sich auch aus unterschiedlichen Motiven sporadische Aktivitäten des Kartonmodellbaus. Diese können aber nicht mit den beschrittenen Wegen in der ehemaligen DDR und Polens mithalten. Vieles hing mit den ökonomischen und auch traditionellen Möglichkeiten zusammen bzw. von diesen ab. In der damaligen Sowjetunion gestaltete sich der Modellbau in Arbeitsgemeinschaften an den Schulen oder öffentlichen Einrichtungen des Komsomol. Ähnliche Entwicklungen gab es in Bulgarien. Mit der Einführung des Werkstoffes - Plaste - in den Modellbau, erfolgte eine komplett neue Orientierung in fast allen ehemals sozialistischen Staaten zum Thema Modellbau. Hier konnte die CSSR auf eine Modellbautradition zurückgreifen, die ihr eine Spitzenposition im Plastikmodellbau einnehmen ließ und den sie bis heute (nicht mehr als CSSR) mit ihren Angebot an Plastikmodellbausätzen weiterhin besitzt. Der Kartonmodellbau hat in den letzten Jahren in den hier genannten Ländern eine sprunghafte Entwicklung aufzuweisen, die auf Einflüsse und Erfahrungen seitens der westlichen europäischen Länder zurückgeführt werden kann. Dabei sind interessante Modellkonstruktionen entstanden, die eine echte Bereicherung der Angebote bei Flugzeug-, Fahrzeug- und Schiffsmodellen darstellen. Eine weitere Erfahrung besteht darin, das viele Modellbaufreunde aus den hier genannten Staaten erkannt haben, was es heißt, mit staatlicher Subventionspolitik den Modellbau für viele Menschen auch realisierbar zu gestalten. Die heutige Preisgestaltung für Kartonmodellbausätze ist nicht gerade dafür geeignet, junge Menschen anzusprechen bzw. Modellbau interessierten Menschen zum Kauf und Erwerb zu inspirieren.

Berlin, 09. November 2014        Lothar Schlüter und das Kranichfan-Team  

Quelle Text     Verlage und ihre Modellbaubogenproduktion Maly-Modelarz 1957-1980 von A. Huppers und F. Skorupa 

 

Ein interessanter Artikel der Redaktion "Fröhlich sein und singen"

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  • Geschichte-Kranich-1957.0002
  • Geschichte-Kranich-1957.0003
  • Geschichte-Kranich-1957.0004

(zum vergrößern anklicken)

Die Redaktion "Fröhlich sein und singen" des Verlages "Junge Welt" kündigt mit diesem Artikel das Erscheinen einer neuen Modellbogenreihe mit der Bezeichnung "Kranich" für das Jahr 1958 an. Dieser Artikel war Bestandteil der Umschlagseiten des Modellbogens S.E.-210 "Caravelle" von 1957. Wieder entdeckt wurde dieser Artikel durch den Modellbaufreund Jochen Hensel. 

Berlin,  15. August 2016           Jochen Hensel und Lothar Schlüter

Quelle Text           Original Modellbogen S.E.-210 "Caravelle" des Verlages "Junge Welt" der Redaktion "Fröhlich sein und singen"

 

 

Einiges zum Thema Pinguin-Ausschneidebogen und Basteltüten

 

Ausgangpunkt der nachfolgenden Überlegungen ist die unterschiedliche und nicht immer authentische Abfolge von angekündigten Projekten und den anschließend tatsächlich herausgegebenen Modellbogen in der Pinguin- und Kranich-Reihe. Wie in einigen anderen Publikationen bereits benannt, gab es in der Arbeit des Verlages “Junge Welt” keinen zentralen Nachweis über die authentische Reihenfolge, so dass für den interessierten Modellbaufreund nur die Jahreszahlangaben mit den Bestellnummern bzw. die Druckgenehmigungsnummern als Orientierung verbleiben. Dabei erweisen sich einzelne Sammlungen als wahre Fundgruben. Da der Verlag “Junge Welt” auch für den Vertrieb anderer Zeitschriften, stellvertretend seihen hier neben den Redaktionen Fröhlich sein und singen und MODELLBOGEN die Zeitschriften wie Jugend und Technik, modellbau und basteln, technikus genannt, verantwortlich zeichnet, waren für reine Werbezwecke lose Beilagen oder als gedruckte Seite bzw. in Artikelform gestaltete Informationen und Übersichten zum Thema Modellbau bei den Kranich- und Pinguin-Bögen die Regel. Modellbaufreund und Sammler Jochen Hensel recherchierte zu dieser Thematik und hat dazu einen Artikel zusammen gestellt. Hier der Text:

Die 1959 von der Redaktion “Fröhlich sein und singen” als große Überraschung angekündigte Reihe der Basteltüten (vgl. Rückseite der Bögen “Dumper” und “Pontonbrücke”) beginnt mit dem “Frösi-Spatz GUMMIMOTOR-FLUGMODELL” im Jahr 1959. Offensichtlich wurde diese Art der Basteltüten aber dann so nicht fortgesetzt. Die Begründung dazu findet sich auf der ersten Umschlag-Innenseite des Bogens Gummimotor-Flugmodell “Knirps” von 1960. Wörtlich heißt es dort dazu: “Auf Grund der Erfahrungen mit der ersten Basteltüte verpacken wir die Zusatzteile nicht wieder in eine dünne Papiertüte, weil sonst leicht etwas verlorengeht. Luftschraube, Stahldraht, Gummi und Perlen findet ihr in dem kleinen Kästchen, das zu jedem Bogen mitgeliefert wird …”
Der vollständige Artikel “Achtung! Hier spricht Pinguin!” ist als Anlage beigefügt.

Nach einer Pause wurde dann offensichtlich erst wieder 1967 die beiden bekannten Basteltüten “Im Tannengrund” und “Im Hafen von Warnemünde” produziert, des Weiteren ist im Sonderheft Teil 1, “DDR in Karton - eine Dokumentation” noch die Basteltüte 6 von 1969 aufgeführt. Aus den Listen auf den Rückseiten der Kranich-Modellbögen “Armeefahrzeuge” ( nur 2. Auflage 1969!) und “Armeefahrzeuge II” geht jedoch hervor, dass es noch die Basteltüte “Verkehrsspiel” gibt sowie die Basteltüte 5 (siehe Anlage). Damit würde dann auch die Nummerierung der insgesamt editierten Pinguin-Basteltüten verständlich. Diese Tüten werden auf den Rückseiten der genannten Bögen als “lieferbar” bezeichnet und enthalten Preisangaben, d. h. sie müssen auch tatsächlich herausgegeben worden sein und somit existieren.

Auf der Rückseite des Kranich-Modellbogens “Armeefahrzeuge” (1) werden sogar auch die A3-Bögen mit den aus ABC-Zeitung und Atze bekannten Figuren Rolli und Flitzi sowie Fix und Fax - als Hampelmänner gezeichnet -, den Pinguin-Ausschneidebögen zugeordnet. Weshalb? Das Pinguin-Logo ist auf den betreffenden Abbildungen in “DDR in Karton - eine Dokumentation” nicht erkennbar …  Auf den Rückseiten der Bögen “Dumper” und “Pontonbrücke” aus dem Jahr 1959 sind des Weiteren die Pinguin-Bögen “Moderne Verkehrsmittel” und “Traktor” angekündigt. Die habe ich bisher noch nie gesehen, aber vielleicht wurden daraus später in Abänderung des Titels auch die Bögen “4 Lastkraftwagen” und “Schrapper”. Denn im Text auf den Umschlagseiten des “Schrapper” heißt es ja: “Der Schrapper besteht aus einem starken Traktor mit Raupenketten …”
Im Produktionsprogramm für das Jahr 1964 taucht der Bogen “Haus des Lehrers” (Einfaches Modell in Kastenbauweise) auf (siehe Anlage). Auch für die Existenz dieses Bogens liegen mir bisher keine Belege oder Hinweise vor. Zum Thema des Letztgenannten kenne ich bis jetzt nur den Modellierbogen vom VEB Postkartenverlag “HAUS DES LEHRERS UND KONGRESSHALLE” aus dem Jahr 1962 (siehe Titelbild in der Anlage). Ende des zitierten Textes.

 

Galerie der genannten Anlagen

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(zum vergrößern anklicken)

 Berlin,  09. Oktober 2016

 Quelle Bilder und Text     Original Pinguin-Ausschneidebogen und Kranich-Modellbogen / Modellbaufreunde Jochen Hensel und Lothar Schlüter

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